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Gute Nacht

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Nach einer kurzfristigen Abstinenz melde ich mich mit Feder und Tintenfass zurück. Eigentlich wollte ich diese Seite nicht mehr in ihrer ausgiebigen Nachtruhe stören aber als ich ich beim stöbern nach Schwesta Ewa Videos, wieder einmal mit der belang- und inhaltslosen Medienlandschaft konfrontiert wurde, blieb mir nichts anderes übrig als die extra für die Tastatur angefertigten Handschuhe überzustülpen, um mich dann anmutig vor meinen Monitor zu platzieren.

Wollüstig ergötzte mich an den neusten Ausscheidungen von diversen deutschsprachigen Hip-Hop Magazinen. „Weekend hält die B-Boy-Kultur am Leben!“ Zu sehen die bewegendste Innovation des Internet, ein 15 sekündiges „Thug Life“ Video mit einem tanzendem Weekend. Ganze Artikel über die neusten Instagram-Postings der A-Z Prominentschaft des deutschsprachigen Hip-Hop Milieu. Als infantiler Konsument fühle ich mich bestens versorgt und kann nun an hitzigen Facebook-Debatten teilnehmen, im Glast der französischen Flagge auf meinem Profilbild.

Die Poesie der deutschsprachigen Hip-Hop Magazinen scheint mittlerweile schon die Stratosphäre durchbrochen zu haben. Neben Muskelaufbau und Haftbefehl fand ich so etwas mit politischer und inhaltlicher Substanz. Die neue Single „Borders“ von M.I.A., welche viel Spielraum für Diskussionen über die aktuelle politische Lage in Europa bietet, wird mir wie folgt zu Gemüte geführt: „Grenzen, Politik, Geld. Was soll das alles, fragt sich M.I.A. in ihrer neuen Single Borders, zu der es nun auch ein Video gibt.“. Die Eloquenz eines Bushidos aus dem Jahre 2010 gekreuzt mit der Diplomatie eines Chimperator Mitglieds: „Grenzen, Politik, Geld – Ich hab all‘ das was den Rechtspopulisten so gefällt“.

Den Artikel über die Ehrung des Lebenswerks von Afrika Bambaataa, jener welcher dem Hip-Hop bei seiner „Geburt“ half und ein damaliger Pionier bei der Vermischung von Musikstilen war, suchte ich übrigens vergebens. Völlig irrelevant, den ich weiss nun das der gute Majoe momentan im Urlaub ist und ich habe sogar ein Selfie davon – hier auf meinen Personal Computer. Vielleicht ist das auch die Ursache für meine fehlende Empathie für Deutsch-Rap. Es wäre klug, eine neue Kategorie in mein Selfie-Poesiealbum einzuführen, wo ich die ganzen heuchlerischen Raute PrayForParis Bilder einfügen kann. Wo diese Platz finden wird, darüber bin ich mir noch unsicher aber wäre das nicht ein Artikel wert?

So sehr ich ein Verfechter des Partizipationsrecht bin, wünsche ich mir doch mehr unabhängige und differenzierte Menschen und Meinungsmacher in der deutschen Hip-Hop Szene. Missversteht mich bitte nicht, auch mich interessiert es, wie, wo und wann Kanye gerade seine völlig überteuerte Mode präsentiert aber gerade im englischsprachigen Raum, ist die Auswahl an Auskunft auf informativer und belangloser Ebene enorm und vielschichtig. Wie gerne würde ich einen Artikel über die Verbindung von Hip-Hop und dem islamischen Staat lesen oder eine investigative Reportage über Musiker auf der Flucht vor dem Regime oder dem eben angesprochenen IS. Eine Themennacht im Stile von Domian, über Hip Hop, geführt von deutschsprachigen Hip-Hop Größen und aufkommenden Talenten. Stattdessen wird mir jeden Tag auf‘s Neue die gleiche und leicht verdaubare Kost serviert. Informationen werden einfach und schnell präsentiert, ohne sie groß zu behandeln, hinterfragen oder auf sie einzugehen.

Grüße gehen raus an Rap.de & Co. Cheers!